May 22nd, 2007 by admin
Spanien: Immobilien: Spaniens Angst vor dem Absturz
21.05.2007 | 18:12 | Von RALPH SCHULZE (Die Presse)
Börsenkurse von Immobilienaktien auf Talfahrt. Platzt bald die Immobilien-Blase?
Madrid. Spaniens Baubranche ging es bisher blendend. So gut, dass sich einfache Menschen wie Francisco Hernando plötzlich die größte Luxusjacht im ganzen Königreich leisten konnten. Und auch sein neuster Privatjet von den Ausmaßen eines Linien-Passagierflugzeuges zeigt anschaulich, dass mit dem Bau von Wohnungen und Häusern unter der spanischen Sonne bislang ein Vermögen verdient werden konnte.
Mit Immobilien reich geworden
Francisco Hernando, der seine Karriere als Kanalarbeiter begann und mangels Schulbesuch kaum Lesen und Schreiben kann, ist heute einer der reichsten Männer Spaniens. Er verdiente viele Millionen mit gigantischen Neubausiedlungen wie jener, die derzeit vor den Toren der spanischen Hauptstadt wächst. Und damit auch niemand den großen Bauherrn vergisst, trägt die Trabantensiedlung mit fast 14.000 Wohnungen seinen Namen.
Doch es mehren sich deutliche Anzeichen, dass die Goldgräberstimmung auf der iberischen Halbinsel, die gleich dutzende Baulöwen und Immobilienhaie zu Multimillionären und sogar zu Milliardären machte, langsam zu Ende geht.
„Platzt die Immobilien-Blase?“ titelten spanische Tageszeitungen, nachdem der Börsenkurs des Immobilienkonzerns Astroc plötzlich in den Keller stürzte. Zuvor hatten Gerüchte von Bilanzfehlern und einer Überbewertung die Runde gemacht. Der Aktienkurs Astrocs hatte sich in einem Jahr auf sagenhafte Weise verzwölffacht – bevor er nun in die Tiefe ging.
Der Markt, der schon länger argwöhnisch die explodierenden Preise und Gewinne in Spaniens Bausektor beobachtet, reagierte nervös. Plötzlich brachen vorübergehend die Börsenkurse der ganzen Branche ein. Und jene der Banken, die Spaniens Haus- und Wohnungsboom mit üppigen Krediten finanzieren, gleich mit.
Die Experten sind sich ziemlich einig, dass ein großer Crash der Branche das bisherige EU-Musterland Spanien, welches jahrelang mit beneidenswerten Wachstumsraten von fast vier Prozent glänzte, ins Wanken bringen könnte.
Die Immobilien in Spanien, deren Preise sich binnen zehn Jahren verdoppelten oder sogar verdreifachten, seien heute um „rund 30 Prozent aufgebläht“, warnt die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) in ihrem Jahresbericht.
Wegen der völlig überzogenen Preise läuft der Verkauf neuerdings recht schleppend, hunderttausende Neubauwohnungen stehen leer. Die Bauindustrie, so glauben nicht wenige, hat sich möglicherweise verkalkuliert. Allein 2006 wurde in Spanien, wo 45 Millionen Menschen wohnen, die Rekordanzahl von 860.000 Wohnungen fertig gestellt. Soviel wie in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen.
(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 22.05.2007)
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